Philips Hue

Philips Hue Bridge Pro: Lohnt sich der Umstieg?

Seit September 2025 steht neben der bekannten quadratischen Hue Bridge ein zweites Modell im Regal. Die Bridge Pro kostet 89,99 Euro als Listenpreis, im Handel werden je nach Anbieter auch rund 100 Euro fällig. Die alte Bridge bleibt weiterhin im Programm und wird weiter mit Firmware versorgt. Es gibt also keinen Zwang, und damit stellt sich die Frage: Für wen lohnt der Umstieg wirklich?

Was in der Bridge Pro steckt

Die Hardware ist der eigentliche Sprung. Statt des betagten Innenlebens der alten Bridge arbeitet hier ein Vierkern-Prozessor mit 1,7 GHz, dazu 1 GB DDR4-Arbeitsspeicher und 8 GB Flash. Die Stromversorgung läuft über USB-C, im Betrieb zieht das Gerät maximal 5 Watt.

Neu ist außerdem, dass die Bridge Pro nicht mehr zwingend am Netzwerkkabel hängen muss. WLAN funktioniert ebenfalls, auch wenn Ethernet für eine Zentrale, die den ganzen Tag durchläuft, weiterhin die ruhigere Wahl ist.

Praktisch spürbar wird die Rechenleistung bei der Kapazität. Die alte Bridge war bei 50 Lampen am Ende, hart bei 63. Die Bridge Pro verwaltet über 150 Leuchten und bis zu 50 Zubehörgeräte. Wer eine große Installation hat und bisher zwei Bridges parallel betreiben musste, kann das jetzt zusammenführen.

MotionAware: das eigentliche Kaufargument

Die spannendste Funktion ist MotionAware. Die Bridge wertet dabei die Funkverbindungen zwischen den Lampen aus und erkennt an den Störungen im Signal, ob sich jemand im Raum bewegt. Aus vorhandenen Leuchten wird damit ein Bewegungsmelder, ganz ohne zusätzliche Hardware.

Vorausgesetzt werden mindestens drei Lampen, die den zu überwachenden Bereich aufspannen. Pro Bridge lassen sich vier Bewegungszonen anlegen, was die häufigste Enttäuschung in Erfahrungsberichten ist. Für Flur, Bad und Treppenhaus reicht es, für ein durchgehend automatisiertes Haus nicht.

Die Praxis fällt gemischt aus. In klar geschnittenen Räumen mit gut verteilten Lampen funktioniert die Erkennung erstaunlich zuverlässig. Im Schlafzimmer wird es schwieriger, weil die Zone nicht so fein abgegrenzt werden kann wie der Erfassungskegel eines echten Sensors. Wer nachts nicht vom eigenen Umdrehen im Bett Licht auslösen will, plant die Zonen besser um solche Bereiche herum.

Wichtig für die Kostenrechnung: Als Ersatz für einen Bewegungsmelder ist MotionAware kostenlos. Ein Abo wird erst fällig, wenn die Erkennung zusammen mit Hue Secure für Alarme oder Push-Benachrichtigungen genutzt werden soll.

MotionAware in Home Assistant

Für Home-Assistant-Nutzer ist die gute Nachricht: Die Zonen bleiben nicht in der Hue-App gefangen. Die Bridge Pro stellt sie über die lokale API bereit, und die Hue-Integration liefert sie seit Home Assistant 2025.10 als Bewegungssensoren aus. Damit lassen sich die Zonen wie jeder andere Sensor in Automatisierungen verwenden.

Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten läuft das inzwischen rund. In den ersten Wochen tauchten Zonen bei manchen Nutzern nur als seltsame Schalter-Entität auf, begleitet von Fehlern im Protokoll. Seit Anfang 2026 melden Anwender den erwarteten Bewegungssensor.

Die lokale API bleibt laut Signify erhalten, Anwendungen von Drittanbietern funktionieren also weiter. Auch iConnectHue unterstützt die Zonen seit Mai 2026, teilweise mit mehr Einstellmöglichkeiten als die offizielle App.

Der Umzug von der alten Bridge

Signify liefert einen Migrationsassistenten in der Hue-App mit. Der Ablauf ist ordentlich gelöst, hat aber Bedingungen, die man vorher kennen sollte.

Beide Bridges müssen gleichzeitig online sein, und die Anmeldung mit einem Hue-Konto ist Pflicht. Ohne Cloud-Verbindung gibt es keinen Umzug, ein rein lokaler Weg existiert nicht. Wer sein Setup bewusst offline betreibt, sollte das einplanen.

Lampen, Räume, Zonen und Szenen wandern mit. Zubehör von Drittanbietern nach dem Standard Friends of Hue nimmt zwar seine Einstellungen mit, muss aber von Hand neu angelernt werden. Anfangs ließ sich nur eine einzelne Bridge übernehmen, das Zusammenführen mehrerer Bridges kam erst später nach.

Was nicht besser wird

Ein paar Punkte sollte man kennen, bevor die Bestellung rausgeht:

  • Entertainment-Bereiche bleiben auf eine aktive Synchronisation mit maximal zehn Lampen begrenzt. Wer auf mehr gehofft hatte, wird enttäuscht.
  • Ambilight-Kopplung mit Philips-Fernsehern lief zum Start nicht mit der neuen Bridge.
  • Alte Logitech-Harmony-Fernbedienungen funktionieren nicht mehr.
  • Manche KNX-Anbindungen von Drittanbietern haben den Wechsel ebenfalls nicht überlebt.
  • Matter wird nur in eine Richtung unterstützt. Hue-Geräte lassen sich in andere Systeme einbinden, fremde Matter-Geräte aber weiterhin nicht in die Hue-App.
  • Thread ist bis heute nicht bestätigt.

Auch die Software war nicht von Anfang an makellos. Ein Fehler beim Einspielen von Updates auf der Bridge Pro wurde erst im Juli 2026 behoben. Inzwischen laufen die Firmware-Aktualisierungen für beide Bridge-Modelle wieder im gewohnten Rhythmus.

Für wen sich der Umstieg lohnt

Ja, wenn die alte Bridge an der Kapazitätsgrenze kratzt oder bereits zwei Bridges im Einsatz sind. Das Zusammenführen allein rechtfertigt die knapp 90 Euro, weil damit auch die Verwaltung wieder übersichtlich wird.

Ja, wenn MotionAware ein echtes Problem löst. Vier Bewegungsmelder von Hue kosten deutlich mehr als eine Bridge Pro, brauchen Batterien und wollen platziert werden. Für Flur, Bad oder Keller ist das ein sauberes Geschäft.

Eher nein, wenn unter 40 Lampen im Einsatz sind und Home Assistant ohnehin die Automatisierung übernimmt. Die alte Bridge macht dann keinen langsameren Eindruck, die Steuerlogik liegt sowieso woanders, und die vier Zonen sind schnell aufgebraucht.

Nein, wenn ein Entertainment-Setup mit vielen Lampen der Grund für den Kauf wäre. An dieser Stelle ändert sich nichts.

Fazit

Die Bridge Pro ist ein ordentliches Gerät ohne Glanzstück. Sie hebt die Grenzen an, an denen große Installationen bisher hingen, und MotionAware ist eine clevere Idee, die im Alltag funktioniert, solange man ihre Grenzen kennt.

Ein Pflichtkauf ist sie nicht. Die alte Bridge bleibt unterstützt und bekommt weiter Updates. Wer Home Assistant nutzt und mit seinem Setup zufrieden ist, kann das Geld getrost in Lampen stecken. Wer dagegen an die Kapazitätsgrenze stößt oder sich die Sensorik sparen will, macht mit dem Umstieg nichts falsch.

Matthias Korte

Hauptberuflich Software-Entwickler und seit einigen Jahren Smart-Home Fan. Angefangen hat alles mit einem RaspberryMatic und einer schaltbaren Steckdose. Mittlerweile habe ich einige Steckdosen, Sensoren, und Thermostate sowie ioBroker zur Visualisierung im Einsatz.

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