Allgemein

Die überraschenderen IFA-Neuheiten kommt von UGREEN

UGREEN kennt man für Ladekabel, Powerbanks und seit ein paar Jahren für NAS-Systeme. Auf der IFA hat die Firma jetzt etwas gezeigt, das damit wenig zu tun hat: eine Smart-Home-Zentrale mit lokaler KI, die im Spitzenmodell so viel kostet wie ein Kleinwagen.

HomeAgent: Smart Home ohne Cloud

Unter dem Namen HomeAgent stellt UGREEN eine Plattform vor, die Kameras, Geräte und Automationen zusammenführt und die Auswertung auf der eigenen Hardware erledigt. Genau das ist der Punkt, der aufhorchen lässt, denn bei Kameras mit Objekterkennung führt der Weg sonst fast immer über einen Server des Herstellers.

Das System erkennt Personen, Haustiere, Fahrzeuge und Pakete, fasst Ereignisse zusammen und lässt Aufnahmen per Stichwort durchsuchen. Dazu kommt eine Sprachsteuerung namens Uliya, die auf „Hi Uliya“ hört und Kameraverläufe abfragen oder Geräte schalten kann.

Die Preise sind der eigentliche Aufreger

  • HomeAgent HA100: 1.799 US-Dollar, als frühe Bestellung 899 Dollar
  • HA100 Pro: 5.999 Dollar, früh 2.999 Dollar
  • MasterAgent MA100: 19.999 Dollar, früh 9.999 Dollar

Im Spitzenmodell steckt NVIDIAs Jetson-Thor-Plattform mit einer Rechenleistung, die man sonst im Serverschrank sucht. Das erklärt den Preis, wirft aber die Frage auf, wer im Wohnzimmer so etwas braucht.

Der Haken: Es gibt noch nichts zu kaufen

HomeAgent läuft als Kickstarter-Kampagne, die am 27. Oktober startet. Aktuell lassen sich lediglich Anzahlungen leisten, 50 Dollar für die HomeAgent-Modelle und 200 Dollar für den MasterAgent.

Damit gilt, was für jede Kampagne gilt: Es ist eine Ankündigung, kein Produkt. Bei einem Gerät, das die Sicherheitstechnik im Haus übernehmen soll, ist das ein Unterschied, den man vor der Anzahlung bedenken sollte.

Was UGREEN sonst gezeigt hat

Bodenständiger fällt der Rest aus. Die NAS-Reihe bekommt mit DXP6800 Ultra und DXP8800 Ultra zwei Modelle mit sechs und acht Einschüben, Thunderbolt 4, 10-Gigabit-Netzwerk und bis zu 96 GB Arbeitsspeicher.

Aus der Ladeabteilung kommt die MagFlow-Reihe mit einer magnetischen Powerbank, die nach Herstellerangaben als erste eine aktive Flüssigkühlung per Mikropumpe verwendet. Durch ein Sichtfenster lässt sich die Kühlflüssigkeit beim Zirkulieren beobachten, was zumindest ein hübscher Effekt ist.

Dazu kommt Gallery, ein digitaler Bilderrahmen mit 13,3 Zoll großem Farb-E-Ink-Display, der ein Bild ohne dauerhafte Stromzufuhr hält.

Was das für Home-Assistant-Nutzer bedeutet

Die Richtung stimmt. Lokale Auswertung statt Cloud ist genau das, was diese Zielgruppe seit Jahren fordert, und es ist bemerkenswert, dass ein Hersteller dieser Größe darauf setzt.

Die Rechnung geht trotzdem nur bedingt auf. Wer 1.799 Dollar in die Hand nimmt, bekommt dafür einen ordentlichen Rechner mit Grafikkarte, auf dem Home Assistant, ein lokales Sprachmodell über Ollama und eine Objekterkennung für Kameras gleichzeitig laufen. Ohne geschlossenes Ökosystem und ohne die Frage, was passiert, wenn der Hersteller das Interesse verliert.

Offen ist außerdem, ob und wie sich HomeAgent an andere Systeme anbinden lässt. Solange dazu nichts gesagt wird, bleibt es eine Insel.

Fazit

Die Überraschung liegt weniger im Produkt als im Absender. Dass ausgerechnet ein Zubehörhersteller mit lokaler KI ins Smart Home drängt, zeigt, wohin sich der Markt bewegt.

Ob die Geräte halten, was die Ankündigung verspricht, wird sich frühestens im Laufe des nächsten Jahres zeigen. Bis dahin bleibt der selbst gebaute Server die günstigere und offenere Lösung.


Transparenzhinweis KI

Auf dieser Website werden vereinzelt Texte, Bilder und Grafiken mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet. Alle Inhalte werden vor der Veröffentlichung sorgfältig geprüft, redaktionell überarbeitet und verantwortet.

Transparenzhinweis: Die Amazon-Links in diesem Artikel sind Partnerlinks. Wenn Sie darüber bestellen, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts.

Matthias Korte

Hauptberuflich Software-Entwickler und seit einigen Jahren Smart-Home Fan. Angefangen hat alles mit einem RaspberryMatic und einer schaltbaren Steckdose. Mittlerweile habe ich einige Steckdosen, Sensoren, und Thermostate sowie ioBroker zur Visualisierung im Einsatz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert