Homematic IP bekommt MQTT: Home Control Unit öffnet sich für Home Assistant & Co.
Die Home Control Unit von Homematic IP bekommt ein MQTT-Plug-in. eQ-3 hat das zur Light + Building im März 2026 angekündigt, zusammen mit einem Plug-in für Modbus. Angepeilt ist das dritte Quartal 2026, und das läuft in wenigen Wochen ab.
Was angekündigt ist
Zwei Plug-ins kommen gemeinsam. Modbus bindet Wärmepumpen, Wechselrichter, Wallboxen und Klimageräte ein. MQTT überträgt Steuerbefehle und Sensordaten zwischen Homematic IP und externen Systemen.
Beides ergänzt die vorhandene EEBUS-Schnittstelle. eQ-3 stellt die Home Control Unit damit als Zentrale eines Energiemanagementsystems auf, das die Vorgaben aus Paragraf 14a EnWG und Paragraf 9 EEG erfüllt.
Wofür eQ-3 das gebaut hat
Hier lohnt ein genauer Blick auf die Formulierungen, denn die Ankündigung liest sich anders, als viele sie verstanden haben.
eQ-3 spricht von Energiemanagement, von Installateuren und Systemintegratoren, von Gebäudeautomation. Von einer Öffnung für Home Assistant, ioBroker oder andere Drittsysteme steht in der Pressemitteilung kein Wort.
Das ist kein Widerspruch zu dem, was am Ende dabei herauskommt. MQTT ist ein offenes Protokoll, und wenn eine Zentrale Sensordaten und Steuerbefehle darüber austauscht, kann jedes System mitlesen und mitschreiben, das einen Broker erreicht. Nur sollte man die Erwartung an dem ausrichten, was tatsächlich zugesagt wurde.
Was für Home Assistant offen bleibt
Vier Fragen entscheiden darüber, wie brauchbar das Plug-in im Alltag wird, und keine davon ist beantwortet.
- Welche Geräte landen auf dem Broker? Alle angelernten Homematic-IP-Geräte oder nur die Energiedaten, um die es in der Ankündigung geht.
- Geht es in beide Richtungen? Sensordaten lesen ist das eine, ein Rollo über MQTT fahren das andere.
- Gibt es eine automatische Erkennung? Home Assistant richtet Geräte selbst ein, wenn ein Gerät die passenden Ankündigungen sendet. Ohne das baut man jede Entität von Hand.
- Eigener Broker oder Anbindung an einen vorhandenen? Wer schon Zigbee2MQTT betreibt, hat einen Broker im Haus und will keinen zweiten.
Fällt die Antwort großzügig aus, ist die Home Control Unit auf einen Schlag so offen wie eine CCU3 mit CCU-Jack. Bleibt es beim Energiethema, ist es eine Fachfunktion für Installateure.
Die Vorgeschichte
Die Öffnung der HCU läuft seit einer Weile. Ende April 2025 hat eQ-3 den Entwicklermodus freigeschaltet, mit dem sich selbst geschriebene Plug-ins auf die Zentrale laden lassen. Dazu kam die Connect API mit einer abgesicherten WebSocket-Schnittstelle, über die externe Anwendungen im lokalen Netz zugreifen können.
Wer eine zertifizierte Erweiterung nutzt, braucht den Entwicklermodus nicht. Für alles andere muss er eingeschaltet werden, und eQ-3 rät für den täglichen Betrieb davon ab.
Ein Detail aus der Dokumentation hat die Fachwelt schon länger stutzig gemacht. Plug-ins dürfen den Port 1883 nicht belegen, den Standardport für MQTT. Dass eQ-3 ihn freihält, wurde im Forum seit über einem Jahr als Hinweis auf eine eigene MQTT-Lösung gelesen. Diese Vermutung hat sich bestätigt.
Was heute schon geht
Wer nicht warten will, hat drei Wege.
Für die HCU gibt es eine eigene Integration aus der Community, die sich über das lokale Netz direkt mit der Zentrale verbindet und ohne Cloud auskommt. Sie bietet mehrere Verbindungsarten, die sich in den Einstellungen umstellen lassen.
Wer eine CCU3 oder RaspberryMatic betreibt, nutzt seit Jahren CCU-Jack. Das Werkzeug schiebt alle Geräte und Kanäle auf einen MQTT-Broker und sendet dabei genau die Ankündigungen, die Home Assistant für die automatische Einrichtung braucht.
Daneben steht die Integration für OpenCCU, die den klassischen Weg über die Zentrale geht und in der Szene gut eingeführt ist.
An dieser Liste sieht man, worum es bei der Ankündigung eigentlich geht. Die Wege existieren längst, sie stammen nur alle aus der Community. Ein Plug-in vom Hersteller wäre der erste offizielle.
Warum das trotzdem zählt
Homematic IP war lange das System, das man entweder ganz oder gar nicht nahm. Die Geräte sind solide, die Funkstrecke ist verlässlich, und die Zentrale hielt jeden auf Abstand, der etwas anderes damit vorhatte als die eigene App.
Ein MQTT-Plug-in vom Hersteller ändert daran mehr als jede Bastellösung. Es bedeutet eine Schnittstelle, die mit dem nächsten Firmware-Update nicht kaputtgeht, und eine, für die es im Zweifel Unterstützung gibt.
Dass der Anstoß aus dem Energiebereich kommt, passt ins Bild. Die gesetzlichen Vorgaben zur Steuerung von Wärmepumpen und Wallboxen zwingen Hersteller gerade dazu, ihre Systeme anschlussfähig zu machen. Wer offene Schnittstellen im Wohnzimmer will, profitiert vom Druck aus dem Heizungskeller.
Fazit
Die Ankündigung ist gut, der Termin knapp und der Funktionsumfang unklar. Wer eine Home Control Unit besitzt, sollte die Plug-in-Übersicht in den kommenden Wochen im Auge behalten.
Wer die Zentrale wegen dieser Meldung kaufen will, wartet besser ab, bis das Plug-in draußen ist und jemand beschrieben hat, was tatsächlich auf dem Broker ankommt. Bis dahin bleiben die Wege aus der Community die verlässlichere Auskunft.
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