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IFA 2026: KI zieht stärker ins Smart Home ein

Auf der IFA 2026 kam man an einem Wort nicht vorbei. Fast jeder Hersteller hatte KI im Gepäck, und anders als in den Vorjahren steckt diesmal mehr dahinter als ein Aufkleber auf der Verpackung. Der eigentliche Trend lautet: Die Rechenarbeit wandert von der Cloud zurück ins Haus.

Die neue Gerätekategorie: der lokale KI-Hub

Gleich vier Hersteller zeigten in Berlin dasselbe Konzept. Eine Box im Haus, die Kameras und Geräte zusammenführt, ein Sprachmodell direkt auf dem Gerät ausführt und die Daten nicht mehr an einen Server schickt.

Anker nennt seine Variante eufy MindBase. Sie arbeitet als Matter-Controller, deckt über 40 Gerätekategorien ab, nimmt bis zu 16 Kameras auf und lässt sich auf bis zu 48 Terabyte Speicher erweitern. Das Sprachmodell läuft auf der Box selbst und soll Ereignisse im Haus nicht nur erkennen, sondern einordnen.

UGREEN zeigte mit HomeAgent dieselbe Idee in drei Preisstufen, im Spitzenmodell mit NVIDIAs Jetson-Thor-Plattform und einem Preis von 19.999 Dollar. Dazu kommen LG mit ThinQ Claw und der kleinere Anbieter LinknLink mit HomeClaw.

Dass vier Firmen unabhängig voneinander zur selben Messe dasselbe Produkt vorstellen, ist bemerkenswert. Es zeigt, dass die Branche das Kameraabo als Geschäftsmodell nicht mehr für selbstverständlich hält.

KI in der Beleuchtung

Philips Hue geht einen anderen Weg. Mit Custom AI Behaviours lassen sich Automationen ab Oktober in der App mit eigenen Worten beschreiben. Aus einem Satz wie „Wenn abends jemand die Haustür öffnet, soll der Flur warmweiß angehen“ baut die Software Auslöser, Bedingung und Aktion zusammen.

Das löst ein echtes Problem, weil Automationen die Hürde sind, an der viele Nutzer aufgeben. Die Funktion setzt allerdings die Bridge Pro voraus, und wo die Sprachverarbeitung stattfindet, hat Signify offengelassen.

KI in Robotern

Am sichtbarsten wird der Fortschritt bei den Geräten, die sich selbst durch die Wohnung bewegen.

Roborock zeigte mit dem Saros Rover einen Saugroboter, der über eine Kombination aus Rädern und Beinen Treppen bewältigt. Dazu kamen Modelle für Pool und Rasen.

Der eufy Mähroboter S2 Max kommt ohne Begrenzungskabel und ohne RTK-Station aus, fährt mit Allradantrieb Steigungen bis 38 Grad und deckt Flächen bis 15.000 Quadratmeter ab. Die Orientierung übernimmt vollständig die Bilderkennung.

Hier zahlt die KI unmittelbar auf den Nutzen ein. Ein Mäher ohne verlegtes Kabel spart bei der Einrichtung mehrere Stunden Arbeit.

Der Rahmen hat sich verschoben

Auch drumherum hat sich einiges geändert. Samsung war nach 35 Jahren nicht mehr als Aussteller dabei, an seiner Stelle stand Xiaomi mit einer angekündigten Investition von 7,4 Milliarden Euro in KI-Forschung bis 2028.

Bei der Hardware zeigte AMD einen Notebook-Chip, der Modelle mit 300 Milliarden Parametern lokal ausführt. Das ist die Grundlage dafür, dass die KI-Hubs überhaupt funktionieren können.

Drei Fragen vor dem Kauf

So begrüßenswert der Weg zur lokalen Verarbeitung ist, ein paar Punkte gehen in den Ankündigungen unter.

  • Lokal heißt nicht offen. Die Daten bleiben zwar im Haus, aber im Ökosystem des Herstellers. Ob sich ein solcher Hub an Home Assistant anbinden lässt, sagt bislang keiner der Anbieter.
  • Was passiert nach dem Support-Ende? Ein Gerät für vierstellige Beträge sollte länger halten als das Interesse des Herstellers an der Produktreihe.
  • Wie viel davon ist gebaut? HomeAgent läuft als Kickstarter-Kampagne. Zwischen einer Messeankündigung und einem Gerät im Regal liegen erfahrungsgemäß Monate.

Was das für Home Assistant bedeutet

Wer schon einen Server im Haus betreibt, hat die Kategorie im Grunde übersprungen. Ein Rechner mit Grafikkarte führt ein lokales Sprachmodell über Ollama aus, übernimmt die Objekterkennung für Kameras und steuert nebenbei das Haus. Zu Kosten, die deutlich unter dem liegen, was die neuen Hubs aufrufen.

Interessant wird es trotzdem. Wenn Anker und UGREEN lokale Sprachmodelle in Serie bauen, sinken die Preise für die passende Hardware. Und je mehr Hersteller ihre Auswertung ins Haus verlegen, desto schwerer lässt sich das Kameraabo noch begründen.

Fazit

Die IFA 2026 hat gezeigt, dass KI im Smart Home die Marketingphase verlässt. Bei Mährobotern ohne Begrenzungskabel und bei Automationen, die man in einem Satz beschreibt, ist der Nutzen sofort erkennbar.

Bei den lokalen KI-Hubs ist das Urteil offen. Die Richtung stimmt, die Preise stimmen noch nicht, und die entscheidende Frage nach der Offenheit hat bisher kein Hersteller beantwortet.

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Matthias Korte

Hauptberuflich Software-Entwickler und seit einigen Jahren Smart-Home Fan. Angefangen hat alles mit einem RaspberryMatic und einer schaltbaren Steckdose. Mittlerweile habe ich einige Steckdosen, Sensoren, und Thermostate sowie ioBroker zur Visualisierung im Einsatz.

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